Aktuelles

„Unternehmen brauchen mehr Zeit für ihre Kunden und weniger Zeit für Formulare“

Wie gelingt es einem traditionsreichen Familienunternehmen, auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten Arbeitsplätze zu sichern? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Besuchs des CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Wiegelmann bei der Firma Möbel Rudolf in Schlüchtern. Im Gespräch mit Geschäftsführer Karl-Friedrich Rudolf, dessen Frau Heike Ries-Rudolf, Prokuristin des Einrichtungshauses Rudolf, und Tochter Marie Rudolf, die den Betrieb gemeinsam führen, sowie dem Betriebsratsvorsitzenden Jens Schmidt tauschte sich der heimische Abgeordnete über die aktuelle Lage des Mittelstands, bürokratische Belastungen und die Zukunft des Wirtschaftsstandorts aus.

Karl-Friedrich Rudolf berichtete von einer weiterhin angespannten wirtschaftlichen Situation. Um das Unternehmen, das seit mehr als 130 Jahren am Markt ist, langfristig zukunftsfähig aufzustellen, erschließt Möbel Rudolf derzeit neue Geschäftsfelder. Ziel sei es, unabhängiger von einzelnen Marktsegmenten zu werden. Im Mittelpunkt stehe dabei vor allem die zukunftssichere Aufstellung des Unternehmens und damit verbunden der Erhalt der Arbeitsplätze und des eingespielten Teams.

Ein zentrales Thema des Austauschs war die zunehmende Bürokratie. Die Unternehmensleitung verwies unter anderem auf die Europäische Verpackungsverordnung, die EU-Entwaldungsverordnung, Lieferkettensorgfaltspflichten sowie die neue Geräte- und Produktsicherheitsverordnung. Viele dieser Regelungen führen in der Praxis zu erheblichem Verwaltungsaufwand und -kosten. Als Beispiel nannte Karl-Friedrich Rudolf Warnhinweise an Kommoden, die darauf aufmerksam machen müssten, dass Schubladen Finger einklemmen könnten.

„Wir müssen wieder stärker auf Eigenverantwortung setzen und Detailregulierung zurückfahren“, sagte Wiegelmann. Im vergangenen Herbst sei es gelungen, auf europäischer Ebene die Lieferkettenrichtlinie und Entwaldungsverordnung deutlich abzuschwächen. Zudem habe der Koalitionsausschuss Anfang Juli mit der Abschaffung von Berichts- und Dokumentationspflichten einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Gesetzliche Berichtspflichten gegenüber staatlichen Stellen werden pauschal aufgehoben, jede vierte Dokumentationspflicht binnen zwölf Monaten abgeschafft.

„Der angekündigte Bürokratieabbau der Bundesregierung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend ist, dass dieser auch tatsächlich in den Betrieben spürbar wird. Unsere Unternehmen brauchen mehr Zeit für ihre Kunden und Mitarbeiter und weniger Zeit für Formulare“, fasste Wiegelmann zusammen.

Auch das Thema Fachkräftesicherung spielte im Gespräch eine wichtige Rolle. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im Tischlerhandwerk sei erfreulich hoch, so Karl-Friedrich Rudolf. Positiv bewertete er zudem die Erfahrungen mit Zeitarbeitskräften, von denen mehrere inzwischen in ein festes Beschäftigungsverhältnis übernommen werden konnten.

Neben den konkreten Herausforderungen wurde im Gespräch vor allem eines deutlich: „Unsere Unternehmen wünschen sich nicht nur weniger Bürokratie, sondern vor allem wieder Zuversicht und Planungssicherheit sowie Vertrauen in die durch die Politik gesetzten Rahmenbedingungen“, so Wiegelmann. „Wenn wir Leistung belohnen, Investitionen erleichtern und den Mittelstand konsequent entlasten, schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass der Optimismus zurückkehrt und unsere Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt.“ Mit der Geschäftsführung der Firma Möbel Rudolf will er weiter im engen Austausch bleiben.