Aktuelles

Mehr als „nur“ eine Pflegekraft

Über die Herausforderungen in der häuslichen Pflege und die geplante Neuordnung der Pflegeversicherung sprach der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann bei einem Besuch der Mobilen Häuslichen Pflege (MHP) in Linsengericht mit Geschäftsführer Claus Lebschy. Begleitet wurde er von Bürgermeister Markus Betz.

Im Mittelpunkt des Austauschs stand das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Claus Lebschy machte deutlich, dass die Aufgaben ambulanter Pflegedienste weit über die klassische Versorgung hinausgehen. „Unsere Mitarbeiter sind oft nicht nur Pflegekräfte, sondern auch Hausmeister, Eheberater und Ansprechpartner für alle Lebenslagen“, sagte er. Gerade diese persönliche Nähe sei für viele Menschen entscheidend, werde im heutigen System aber noch nicht ausreichend abgebildet.

Sorge bereitet dem Pflegefachmann vor allem die Frage, wie die ambulante Versorgung auch künftig wirtschaftlich stabil aufgestellt werden kann. Ein zentraler Punkt sei die Refinanzierung der Personalkosten. „Wenn steigende Löhne und Gehälter nicht verlässlich berücksichtigt werden, wird es für ambulante Dienste immer schwieriger, qualifizierte Pflegekräfte zu gewinnen und zu halten“, machte Lebschy deutlich. Die ambulante Pflege stehe dabei im Wettbewerb mit Kliniken und stationären Einrichtungen, die ebenfalls um dieselben Fachkräfte werben.

Gerade für den ländlichen Raum habe diese Entwicklung besondere Bedeutung. Schon kleine Veränderungen bei den Rahmenbedingungen könnten Auswirkungen auf Tourenplanung, Versorgungsgebiete und die Aufnahme neuer Patientinnen und Patienten haben. Eine stabile ambulante Pflege sei jedoch entscheidend dafür, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben können.

Wiegelmann betonte, dass eine Reform der Pflegeversicherung notwendig sei, um das System langfristig zukunftsfest zu machen. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, gleichzeitig wächst der Bedarf an Unterstützung durch Pflegekräfte und Angehörige. „Wir müssen dafür sorgen, dass Pflege auch in Zukunft zuverlässig funktioniert. Das bedeutet, dass wir Strukturen weiterentwickeln, Bürokratie abbauen und die vorhandenen Mittel dort einsetzen, wo sie den Menschen am meisten helfen“, sagte Wiegelmann.

Der Gedanke hinter dem Pflegeneuordnungsgesetz sei, die Pflege stärker auf Prävention, Beratung und eine bessere Unterstützung im Alltag auszurichten. Menschen sollen möglichst lange ihre Selbstständigkeit erhalten können, Angehörige sollen stärker entlastet und der Zugang zu Leistungen einfacher gestaltet werden. Gleichzeitig sollen die Pflegeversicherung und die pflegerische Versorgung langfristig stabiler aufgestellt werden.

Wiegelmann machte deutlich, dass die Erfahrungen aus der Praxis dabei eine wichtige Rolle spielen. „Eine Reform kann nur gelingen, wenn sie die Realität der Menschen kennt, die jeden Tag pflegen und gepflegt werden. Deshalb ist der Austausch mit ambulanten Diensten wie der Mobilen Häuslichen Pflege so wichtig“, sagte der Bundestagsabgeordnete.

Kritisch sieht Claus Lebschy insbesondere mögliche Veränderungen bei der Pflegeberatung. Zwar sei es richtig, die Beratung und Unterstützung von Pflegebedürftigen und Angehörigen weiterzuentwickeln, gleichzeitig müsse die Erfahrung der ambulanten Dienste erhalten bleiben. Die Pflegekräfte vor Ort kennen die Lebenssituationen der Menschen und können früh erkennen, wo Hilfe benötigt wird.

Einig waren sich Wiegelmann und Lebschy, dass die ambulante Pflege eine tragende Säule der Versorgung ist. „Die meisten Menschen wünschen sich, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben zu können. Dafür brauchen wir starke ambulante Pflegedienste und verlässliche Rahmenbedingungen“, betonte Wiegelmann. Den Austausch über die weiteren Beratungen zum Pflegeneuordnungsgesetz wollen beide fortsetzen.